Texte aus der Weserburg

Schwontkowski PAUSE
Norbert Schwontkowski: Pause

 …Und schon wieder eine Gruppe pseudointellektueller Künstler.

Hallo, nehmen Sie Platz, starren Sie mich an. Aber gehen Sie davon aus, dass ich zurück starre – eindringlicher und unablässiger als Sie jemals starren könnten. Im Gegensatz zu Ihnen verliere ich nämlich keine wertvollen Millisekunden durch Zwinkern und Blinzeln, genau genommen verliere ich überhaupt keine Zeit, ich habe nämlich keine. Oder haben Sie keine? Sie haben 5 Minuten Zeit, um über einen Augapfel auf einem Stuhl nachzudenken. Ich gebe Ihnen eine kleine Hilfe bei Ihrer Gedankenfindung und zitiere einen modernen Philosophen unserer Zeit (oder ist es die Ihrige?):
„Wer ein Gesicht hat, dem ist leicht die Sicht genommen, denn er muss aussehen. Wer aussieht (…) muss einsehen, dass Aussehen nur Schein ist und trotzdem nicht klein bei geben.“
Nun machen Sie was draus! Ich bleibe solange hier sitzen und starre Sie an.

L.H.

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Gespräch unter drei Augen 

Verzeihung gnädige Frau, aber hat ihnen jemand heute schon gesagt wie hübsch sie sind?
Seit dem ich meinen Blick auf sie gerichtet habe, kann ich mich von ihrer entzückenden Ästhetik nicht mehr abwenden.
Lassen sie sich von meinem starren Blick nicht abschrecken, ich kann mich aktuell leider nichts Neuen zuwenden, doch ihr Anblick ist mir im Augenblick Trost genug.
Planen sie hier länger zu verweilen?
Ich würde Dies sehr begrüßen!
Ansonsten müsste ich meinen Blick wieder diesen langweiligen, nichts sagenden Bildern dieses Typen zuwenden, der mich in diese missliche Position gebracht hat.
Wenn es ihnen also nichts ausmacht, hätten sie die Güte mein Blickfeld weiterhin mit ihrer herrlichen Anmut zu erfreuen?
Vielleicht sogar über Nacht?
Nein? Nicht? Warum nicht?
Aber ich habe doch sonst nichts an dem ich mich hier erfreuen könnte!
Nein gehen sie nicht!
Lassen sie mich nicht wieder ins Leere blicken!
Bitte! Nicht!
Ach verdammt da geht sie…Frauen…Vornehmheit scheint sie heutzutage abzuschrecken…

Take

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Michael Gitlin Time out of mind, 1997
Michael Gitlen: Time out of mind, 1997

Ich höre dich.

Ach ja? Kein Wunder bei diesem Riesen-Ohr. Ist das nicht lästig? Ich habe keinen Mucks gemacht und du hast mich trotzdem gehört. Hörst du manchmal deine Nachbarn? Die Wände hier sind ja nun wirklich nicht die besten. Was den Schallschutz angeht meine ich; anzusehen sind sie ja ganz nett. Das ewig-gleiche Weiß, ohne sofort steril zu sein. Kannst du das überhaupt sehen?

Sehen? Was soll das sein? Ich höre dich, ich kann mit dir sprechen… aber wie stellst du dir das mit dem Sehen vor? Seh ich aus, als ob ich Augen habe?

Diese Antwort war mir zu blöd. Immerhin konnte ich auch keinen Mund ausmachen, trotzdem konnte das Ohr sprechen. Ich ließ es also einfach dort hängen und entfernte mich.

Levi Tann

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Arman: Accumulation, 1997

Alles geht den Bach hinunter, in Farbe

Jede Tube geht heute leer aus
Ausgekotzt und bedrückt lassen sie die Köpfe hängen
Ihnen fehlt der passende Deckel
Während jede einzelne bloß ihren Senf dazugibt,
entsteht in der Ferne ein munteres Zusammenspiel
ja, ein gar synchrones Feuerwerk energischer Würste – für die Ewigkeit.

Die Tube bekommt davon nichts mit
Kein Platz zum Denken
Ellenbogengesellschaft.

Levi Tann

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