Worpswede – Düsseldorf

Der Bindestrich „–“ eine Trenn- oder Verbindungslinie?

Bis Ende Januar 2014 ist diesem „–“ unter der Reihe Worpswede zeitgenössisch zu Fuß näher zu kommen. Unsere Stationen sind die Barkenhoff Stiftung, das Haus im Schluh und die Worpsweder Kunsthalle. Wir (Seminar: „Was macht die Kunst?“) beginnen im Garten des Barkenhoff, indem wir auf den Wegen zwischen den symmetrisch angelegten Beeten flanieren. Beginnt die Erzählung über das „–“ nicht schon mit der Gründungsgeschichte der Künstlerkolonie? Doch dies ist nur der Auftakt. Denn wie sich im Barkenhoff herausstellen wird, ist dieser einfache gerade Bindestrich eher ein schnörkeliger, an dem sich viele gedankliche Parallelen anhängen lassen. Und so finden wir in den Ausstellungsräumen zu den Werken von Heinrich Vogeler und zu den schwarz-weiß Fotografien über Joseph Beuys Anknüpfungspunkte wie „Märchen/Mythologisches“ aber auch „soziale Utopie/Idee vom Aufbau einer neuen Gesellschaft“. In der Worpsweder Kunsthalle wird ein weiterer  zu assoziierender Aspekt deutlich. Das Düsseldorfer Künstlernetzwerk der 1960er und 70er Jahre, wo so bekannte Namen wie Nam June Paik, Charlotte Moorman, Gerhard Richter, Gotthard Graupner, Jean Tinguely, Sigmar Polke u.v.m. zusammen kommen, erinnert an die Jahre zur Jahrhundertwende in Worpswede. Auch zu jener Zeit trafen sich hier bedeutende Kulturschaffende wie beispielsweise Rainer Maria Rilke, Gerhard Hauptmann und Thomas Mann. Der rege künstlerische Austausch war Quelle für eine bewegende Kraft im künstlerischen Schaffen. Doch sprechen die fotografischen Momentanaufnahmen auch vom Flüchtigen. So scheint es fast unausweichlich: Das Revolutionäre Jetzt wird früher oder später zu einem Klassiker des Gestern. Was bleibt?
Die Nagelobjekte von Günther Uecker im Haus im Schluh macht ein Ende mit der chronolgischen Verkettung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Uecker setzt auf den Nullpunkt. Wir sehen Bewegung, Licht, ein Wechselspiel zwischen Poesie und Aggression… Beinah unauffällig wird uns klar: Jede Auseinandersetzung mit einer künstlerischen Idee bietet einen möglichen Neuanfang im Heute. Und es funktioniert augenfällig. Einmal sensibilisiert durch die Oberflächenstruktur von Ueckers Objekten, entdecken wir die Besonderheiten des Worpsweder Stuhlgeflechts mit ganz neuen Augen (Diese sind uns bereits beim Eintreten ins Museum ins Auge gesprungen). Und plötzlich müsste es heißen: „Worpswede o Düsseldorf“!

 

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