Texte aus der Weserburg II

Boxi: „In the Beginning“ (2008)

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in the beginning

Es liegt eine beschwerliche Reise hinter mir. Über Berge bin ich gestiegen, manche groß wie der Mond. Ich habe tiefe, dunkle Schluchten und weite Flüsse überquert. Meine Gedanken waren stets bei dir. Ohne die Hoffnung, bald mit dir von diesem grausamen Planeten zu verschwinden, hätte ich mich keinen Zentimeter von der Stelle bewegt. Ich hätte einfach gewartet bis sie mich finden und wäre wie alle Menschen, die nicht privilegiert waren, auf diesem verlausten Planeten gestorben. Du sagtest, ich könnte mit dir kommen, du würdest dich um alles kümmern.

Also hab ich mich auf diese unsichere Reise zum Startpunkt begeben. Auf meinem Weg musste ich durch dichte Wälder voll wilder, hungriger Tiere irren. Bloß nicht die Orientierung verlieren, habe ich mich ständig still zu mir selbst sagen hören. Um Haaresbreite hätten diese Bestien ihre Zähne in mein Fleisch geschlagen. Sie haben mich kilometerweit durch den dunklen Wald gejagt, ihre gierigen Mäuler waren stets nur ein paar Schritte hinter meinen Fersen. Ein Stolpern wäre mein Tod gewesen. Die Gefahr, die von den tierischen Räubern ausging, war dennoch angenehm überschaubar. Würden sie mich fassen, bedeutete das mein Ende. Anders war es mit Insekten oder Pflanzen. Diese bargen Tücken, die ich nicht einschätzen konnte. Einmal aß ich die falschen Beeren und verdarb mir meinen Magen. Tagelang konnte ich mich nicht fort bewegen. Die Angst, ich könnte mein Versprechen nicht einhalten, stieg in mir hoch.

Den Wald hinter mir gelassen, konnten es nur noch ein paar Kilometer sein. Ich war unglaublich erleichtert. Im nächsten Moment jedoch stiegen Zweifel in mir auf. An uns zweifelte ich nicht, viel mehr daran, ob ich in dieses Raumschiff steigen wollte. Es war unser Planet, den wir verlassen mussten. Der Plan der Regierung war es, die Bevölkerung auf einen anderen Planeten umzusiedeln. Dort wären schon die Grundsteine für eine intakte Zivilisation gelegt worden. Nach der Umsiedlung sollte die Säuberung des alten Lebensraumes beginnen. Die Bevölkerung spaltete sich in zwei Hälften; die große Mehrheit, die diesen Planeten verlassen wollte und eine kleine Gruppe von Irren, die hier bleiben wollte. Zu letzterer Gruppe gehörte ich auch bis zu dem Zeitpunkt unseren Kennenlernens. Du hattest mich überzeugt. Zwei Wochen vor dem Abflug schlich ich mich von meinen Leuten weg. Unter ihnen machte sich Panik breit und ich wusste nicht wie sie auf meinen Entschluss, von hier zu fliehen, reagieren würden. Also irrte ich wochenlang alleine durch Menschen verlassene Landstriche, um nun hier zu stehen; an dem vereinbarten Ort zur richtigen Zeit. Meine Zweifel, ob es eine gute Entscheidung wäre, diesen Planeten zu verlassen, sind nun weggewischt. Alles, was von dir und deinen Leuten noch zu sehen ist, sind qualmende Häuser und verkohlter Boden.

Katharina K.

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Mondschein Mondsein
In einer Kaskade weiß-bläulichen Lichts liegt ein Schiffswrack. Verlassen sieht es aus. Kalt fühlt es sich an. Seine Flügel gebrochen. Die Turbinen in Einzelteilen verstreut zwischen dem dichten Unterholz des Urwaldes.
Weiß-bläuliches Licht taucht das Szenario in gespenstische Ruhe. Im Lichtschimmer das Flugschiff. Regen tropft von den dichten Blättern des Laubdachs. Ich stehe auf einer kleinen Lichtung. Dreißig Zentimeter um mich träufeln die Blätter ihr Badewasser um mich herum. Auf mich fällt nur das Mondlicht. Das Mondlicht fällt nur auf mich. Nur mir fällt das Mondlicht auf. Der Fall des Luftschiffs füllt mich mit gemischten Gefühlen. Sicher sind die Insassen alle längst tot. Ich lache. Die Menschen und ihre Luftschlösser. Es ist unsere Neugier, die uns so hoch hinaus treibt. Nicht nur in die Wolken, nein. Sogar zwischen den Sternen, auf dem nächtliche Reflektor, der hell und rund die Erde begleitet, haben wir Menschen unser hohes Näschen schon spazieren getragen.

Verträumt blicke ich auf den vom tropfenden Blattwerk umrankten Mond.
Ich fühle eine Verbindung. Ein Schatten. Ein Widerhall. Eine Vision.
Aus einer anderen Zeit blickt der Mond sehnsüchtig auf mich zurück.

Worum er mich wohl beneidet?

Enibbu

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