Lesung in der Weserburg am 2. Dezember

Am kommenden Dienstag, 02. Dezember 2014, 18 Uhr lesen Studierende aus dem Seminar „Kreatives Schreiben in Museen“ ihre Texte in der Weserburg.

Von Mondsein bis Spiegelstück | Studierende lesen vor Kunstwerken

Literarische Reflexionen, Kurzgeschichten und Lyrik – Studierende der Universität Bremen nahmen Kunstwerke der Ausstellung „Existenzielle Bildwelten“ als Inspiration für eigene, literarische Werke. Entstanden sind die Texte im Seminar „Kreatives Schreiben in Museen, Sammlungen und Ateliers“ der Autorin Anke Fischer. Die Studierenden besuchten innerhalb der Veranstaltung zahlreiche Ausstellungen in Bremen und ließen sich von der Kunst anregen. Die kurzen Geschichten rücken jedes Kunstwerk in ein anderes Licht und spiegeln die Vielfalt der Wahrnehmungen und Deutungen. Bei der Lesung in der Weserburg „wandeln“ die Studierenden mit ihrem Publikum von einem Kunstwerk zum nächsten und lesen direkt vor Ort.
Eintritt frei.

Was wird zu hören sein?
Zum Beispiel das:

Cesar: Compression murale

Cesar_Compression murale, 1970

Ein Röcheln.
Fades Licht von verblasster Farbe,
Rost überzieht die Adern alten Glanzes,
Schläuche pochen den fahlen Hauch
Einstigen Lebens.
Ein Röcheln.
Ich höre Cesar, knarzendes Pulsieren,
monoton, schwächer, aus.
Effizienz und Exaktheit, sind das deine Götzen?
Schwarzes Blut, fließend, stockend,
das eiserne Herz fortlaufend, stockend, sich füllt mit gebändigter Kraft?
Ein Röcheln.
Kaltes Rasseln, Metall an Metall, den schwarzen Atemhauch ausstoßend,
ein letztes Mal, röchelt sie?
Fades Licht von verblasstem Leben,
ein leiser Hauch.

P.S.

 

Terence Koh: Crackhead

Terence Koh_Crackhead

Ich möchte mich übergeben.
Ich, in mir Schwarz, in mir am Brodeln, in mir am Schreien, möchte nicht mehr.
Es soll alles raus, raus aus mir, all das, was mich von Innen auffrisst bis nichts mehr übrig bleibt.
Aber wo soll es hin?
Mein Kopf, mein Hirn, meine Gedanken, gefangen in einem Glaskasten, abgeschnitten vom Herzen.
Ich sehe Alles und Alles sieht in mich und sieht Nichts durch die Scheibe die mich von innen scheidet, schneidet.
Ich kann weiter machen, außerhalb fühlen, die Scheiben putzen, schrubben und versuchen den Dreck wegzuwischen der mich verhindert.
Ich schreie jedoch innen nur unentwegt und meine Gedanken fressen alles bis ich schwarz bin und alles zu bröckeln und zu vergehen scheint, ich.
Der Ekel versenkt alles und füllt meinen Raum mit erdrückender Leere bis ich hoffe, dass das Glas zerspringt und die Dunkelheit entweicht.
Scherben bringen Glück, Endlich?

N.S.

Arman: Akkumulation

schwarze Federn_Arman_Akkumulation

Du
reißt mir
die Kiele
aus den
Poren
ein Jahrhundert lang
bis ich mich
federlos
dem Fleisch
zeige.

Der Schmerz in den Gliedmaßen ließ sie erwachen.
Außen saß das Fieber, das die Poren entzündete und den Schrei in der Kehle verbrannte.
Das Blut tropfte, noch einen Moment am Körper mäandernd, aus den Hautspalten, sammelte sich in kleinen Teichlandschaften am Boden.
Schwarz wie einst ihre Federn umhüllte sie ihre Haut.
Offenen Mundes verblieb sie einen Moment zwischen Fragen und Erkennen, breitete die Arme aus und spürte, dass die Nacktheit ihr nichts ermöglichte.
Das rötliche Pulsieren verebbte nach einem zweiten Versuch und sie fiel, den Blick nach oben gerichtet, in die Antworten zu ihren Füßen.

Lisa Barth

 

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