Bilder von Melissa Chelmis

Mit dem Seminar „Kunst und Kreatives Schreiben“ besuchten wir die Ausstellung der Bremer Künstlerin Melissa Chelmis in den Räumen des Fin-Netz in Findorff. 
Melissa Chelmis ist Theaterpädagogin und Malerin. Als Untergünde nimmt sie alte Truhendeckel, Rückseiten von Schubladen, Tücher und immer wieder Holz. Ihre Figuren erzählten uns Geschichten, die wir vor Ort erschrieben und lasen. 

Mehr über Melissa Chelmis gibt es auf ihrer Homepage: Melissa Chelmis

Die ersten Texte:

Ron

Ron Jagdfeld

Die Fremde

Bei Nacht bin ich beliebig. Körper und Geist zusammengesteckt, zwei Bausatzteilen gleichend, die nicht aufeinander passen wollen, sich erst unter genügend Druck einander fügen.
Baukasten Mensch, nur ohne Bauanleitung. Den flüchtigen Blicken, die mich jede Nacht berühren, ist es gleich. Mann sieht nur, was er sehen will. Sieht er mir ins Gesicht, so bin ich blond, bin zart und puppengleich. Sieht er mir auf die Brüste, bin ich dunkel, rassig, wild.
Bei Nacht ist er mein Architekt.
Mal bin ich seine Braut im weißen Deckenkleid, geschlungen um die Hüften: ein wilder Tanz die ganze Nacht. Mal bin ich die Dienerin, mal Herrin, Kind und Frau. Doch eines bin und bleib ich immer:
eine Fremde.

 

Katrin

Annelie Mahler

Das Schicksal ist eine Meerjungfrau

In einem Meer aus Blau schlägt dein Herz. Ein Zauberwesen bist du, gegossen aus magischem Elixier. Verbunden mit dem Lied des Lebens schläfst du ein. Kein Kräuseln auf dem Wasser. Ruhe nach dem Sturm. Überstrahlst den Lärm. Fährst hinab in die Tiefe, zurück in dein Zauberreich. Tauchst weiter, tauchst tiefer als andere. Bist ungestüm und tückisch. Gerade noch da, nun weit weg. Lässt mich einfach stehen. Nimmst mich nicht mit. Was bleibt ist die Erinnerung an ein Geschöpf, das sich nicht fangen ließ. Eine Nixe, die nur kurz ihren Kopf aus den glatten Wellen hob. So gern hätte ich mehr gesehen von dir. Aber ich weiß, Meerjungfrauen sind frei. Du lässt dich nicht fangen. Bist ungezähmt, stolz und wild. Das ist deine Natur. Willst frei sein, meine Nixe. Also sag‘ ich Lebwohl. Komm bald wieder, wenn dich das Schicksal zu mir treibt.

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