Ein Versuch gegen die blinden Flecken

Ist Deutschlands Kolonialzeit Schnee von gestern, oder finden sich auch heute noch Spuren rassistischer Sichtweisen in unserem Alltag? Und inwieweit ist das koloniale Erbe in einer Sammlungspräsentation wie der der Kunsthalle Bremen noch präsent?
Über zwei Termine untersuchen wir im Seminar „Zeitgenössische Kunst – eine paradoxe Welt von Widersprüchen?“ die Werke in der ständigen Sammlung, die Ausstellung „Fernando Bryce. Unvergessenes Land“ sowie „Der blinde Fleck – und die Kunst in der Kolonialzeit“. Welche Erzählung wird wie und für wen konstruiert? Was wird verschwiegen? An welchen Stellen gibt es visuelle Stolperstein, die unsere Wahrnehmung von ungleichen Machtverhältnissen schärfen können?
In Gesprächen dekonstruieren wir die (unbewussten) rassistischen Strukturen im Ausstellungsdisplay, entdecken aber auch Risse, die das Haus in den letzten Jahren selbst produziert hat, um mit der Fortsetzung dieser Erzählung zu brechen und damit das Widerstandspotential gegenüber den hegemonialen weißen Strukturen zu fördern. Dennoch, nach diesen Besuchen muss die Frage gestellt werden: Wann war/ist/wird sein „ein Museum für Alle!“? 

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Zu Gast bei Klaus Effern

Wir sind in der Nähe vom Neustadtgüterbahnhof. An diesem kalten Januarnachmittag hören wir, wie es draußen vor der Tür anfängt zu regnen. Dicke Regentropfen prallen auf das Dach, durch dessen Oberlicht bei Sonnenschein beste Bedingungen zum Arbeiten gegeben sind.
Zwischen Sägespänen und Werkzeug stehen die überlebensgroßen Holzfiguren von Klaus Effern, die unsere volle Aufmerksamkeit haben. Im Gespräch mit dem aus Bayern gebürtigen Bildhauer diskutieren wir über seinen Umgang mit Holz und über seine Ideen zu verschiedenen Werkzyklen wie Verspottung (2012), Sardanapal (2015) und Junge Schmerzensmänner (2009). Dabei vertiefen wir Überlegungen zu der Differenz zwischen „perfekten“ Ausstellungsbedingungen und den tatsächlichen, realen Bedingungen – räumlich wie auch gesellschaftlich.
Das Bildhaueratelier vermittelt den Charme seines Besitzers und weckt den Entdeckertrieb eines jeden Besuchers/ einer jeden Besucherin. Da ist es nicht verwunderlich, dass aus verschiedenen Raumecken noch weitere Schätze zu Tage gefördert werden: So zum Beispiel ein kleiner, kompakter Hund aus Terrakotta, der vor kurzem von einem Gefängnisinsassen fantasievoll angefertigt wurde. Im Rahmen der Bildhauerwerkstatt in der JVA Bremen, die seit 1978 besteht, engagiert sich Klaus Effern für den Verein Mauern öffnen e.V.
Zum Ende des Gesprächs lädt uns Klaus Effern noch einmal in das Herzstück des Ateliers ein. In einem kleinen extra Raum steht ein Ofen und heizt gut ein. Anders als die Wärmequelle im Bild von Carl Spitzweg Der arme Poet (1839) verströmt er wohlige Wärme. Wenn der Ofen auch als Metapher für schöpferische Intensität oder auch als die „Seele des Ateliers“ interpretiert werden kann, freuen wir uns, dass es im Atelier von Klaus Effern so viel funkende Lebensenergie gibt!
http://www.klaus-effern.de/klaus-effern.de/Start.html
http://www.mauern-oeffnen.de/

Maike Su mit dem Seminar „Was macht die Kunst?“
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Surreale Begegnungen in Hamburg

Wie kommt ein Werk ins Haus der Kunstgeschichte?
Aktuell beleuchtet die Ausstellung Surreale Begegnungen in der Kunsthalle Hamburg die Bedeutung von SammlerInnen für das Schaffen und Werden von KünstlerInnen. Dabei entdeckt das Seminar „Was macht die Kunst?“ eine umfassende, internationale Vernetzung der AktivistInnen im Kreis des Surrealismus und erfahren, wie über dieses Netzwerk selbst Werke von Künstlergrößen wie Dalí, Ernst, Miró und Magritte noch bis in die Gegenwart gefördert werden. Neben der aktuellen Sonderausstellung bekommen wir auch in der Galerie der Gegenwart eine Ahnung davon, dass das Erbe der Surrealisten bis in die Kunst der Gegenwart existent ist. In der Präsentation #1 Magie der Dinge. Von der Tücke des Objekts aus der Reihe HONEY, I REARRANGED THE COLLECTION erleben wir, wie Kartoffeln beginnen, ein Eigenleben zuführen, oder wie scheinbar ein Blindenstock ein Schreibmaschinenorchester zur Kakophonie anstiftet und Museumsbänke plötzlich wie von Geisterhand mitsamt den darauf sitzenden MuseumsbesucherInnen durch den Raum schweben.

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Viele Wege führen zum Werk

Ein Besuch einer neuen Ausstellung ist ähnlich wie eine Reise ins Unbestimmte. Wie orientieren wir uns im Ausstellungsraum? Wie werden wir geleitet? Das Seminar „Was macht die Kunst?“ mit der Lehrbeauftragten Meike Su untersuchte diese und weitere Fragen:
Ein weißes Blatt Papier füllt sich mit Zeichen – unseren Wegen durch die Ausstellung „IB Geertsen“ in der GAK – Gesellschaft für aktuelle Kunst. Es ist eine topografische Skizze, die das Erwandern der Ausstellung und das sich Erschließen sichtbar macht.
Mit den Augen von Forschungsreisenden suchen wir nach Vertrautem, nach Besonderheiten und nach Unbekanntem. Welche Fragestellungen ergeben sich daraus? Im Gespräch mit der Kuratorin Svea Kellner vertiefen wir das Thema der Raumkonzeption und das Verhältnis Werk – Raum – Betrachter.
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Mitmachen, mitmischen!

Seit 1986 macht das in Bremen der Verein „belladonna“ in den Bereichen Kultur, Bildung und Wirtschaft, um so die Belange von Frauen auf politischer, gesellschaftlicher und kultureller Ebene zu fördern. Wir fragen nach: Braucht es heute noch einen Verein, der frauenspezifische Angebote schafft? Wie können wir mit dem negativ besetzten Begriff „Feminismus“ umgehen?
Daniela Yavuzsoy, in erster Linie für das Frauenarchiv und -dokumentationszentrum zuständig, zeigt uns, dem Seminar „Was macht die Kunst?“ literarische Schätze zu Genderthemen aber auch Graue Materialien (Broschüren, Flyer und Flugblätter) sowie Plakate aus der bremischen, nationalen und internationalen Frauenbewegung  – und davon gibt es einige, vom Keller hoch über zwei Etagen. Studierende können hier u.a. zu Themen wie „Frauen in Arbeitszusammenhängen“, „Allgemeine und Bremer Frauengeschichte“ und „Frauen- und Geschlechterforschung“ recherchieren.

http://www.belladonna-bremen.de/ Weiterlesen

Orgelführung im St. Petri Dom

Das Seminar „Philharmonic4all“ geht am Dienstag, 2.2. in den St. Petri Dom in Bremen und wird sich die große Orgel genauer ansehen. Die Orgelführung behandelt Entstehung, Geschichte und Klang der Orgel. Dr. Ulrich Matyl wird mit dem Organisten des Doms Kostproben zu Gehör bringen, auch darf die Orgel genau und von innen besichtigt werden.

Alle Studierenden von Culture4all können an dieser Orgelführung teilnehmen. Die Orgelführung im St. Petri Dom in Bremen beginnt 18.30 Uhr. Wir treffen uns auf den Domstufen!

 

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Rundgang durch die Weserburg

Culture4all besuchte am vergangenen Donnerstag die Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen. Alle Studierenden von Culture4all konnten teilnehmen. Meike Su führte durch das Haus und zu vielen spannenden Kunstwerken. Vor allem unter dem Dach hörten und sahen die Studierenden neue Räume und diskutierten über Wahrnehmungen und Interpretationen. Eine interessante Kurzreise durch die moderne Kunst!

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Kunst ist (auch), wenn …

… sie danach fragt, wo sie eigentlich beginnt. – Bereits im Treppenhaus oder dann doch erst im White Cube?
… sie die Idee der Autorenschaft auf den Kopf stellt. – Das Bild eines Werks im Bild eines anderen… wer ist da der Autor / die Autorin?
… zu Beginn ihrer Entstehung noch nicht klar ist, welche Form sie wohl einmal annehmen wird und für welches Publikum sie eigentlich gedacht ist.
… sie keine Antworten gibt. –  Überschneidungen, Gleichzeitigkeit, Vernetzungen … wo steckt die Poetik im Kunstwerk, oder sind wir ihre Träger? Weiterlesen

Anmeldung ab sofort möglich

Ab sofort kann sich auf Stud.IP an der Uni Bremen auch für die Seminare von Culture4all angemeldet werden. Einfach „Culture4all“ im WiSe 2015/16 eingeben und alle Veranstaltungen unter diesem Modulverbund erscheinen untereinander.

Das Schwerpunktthema in diesem Semester ist in allen Seminaren „Geschlechterverhältnisse in Kunst und Kultur“. 
So wird bei „Was macht die Kunst“ hinterfragt, ob die Kunstszene ein Gewissen braucht. In „Kunst und literarische Reflexion“ wird zu Arbeiten von Künstlerinnen geschrieben und mit ihnen diskutiert.
„theater.szene.bremen“ untersucht Geschlechterverhältnisse und -bilder auf und hinter der Bühne.
Weitere Informationen gibt es hier auf unserer Homepage oder im neuen Faltblatt, das ab dieser Woche an der Uni ausliegt:

Titel 1 C4all Titel 2 C4all

 

Wo einst das Bier stand…

… fließen nun die Bilder…

… kreisende Scheinwerfer – schwarzes Leder – silbernes Gestänge – eine Insel aus Sportgeräten vom Kameraauge umrundet (Filmszenen aus: Stephan Panhans, Noch ein Sportstück, 2014)…

… russig schwarze Hausfassaden auf dem Maidan in Kiew – Sekt schäumt über den Rand des Glases im Hotel – Blicke, die zu den Fragen immer wieder neue Antworten finden lassen – ein Superheld auf dem Schrank (Filmszenen aus: Julian Öffler, Reise nach Kiew, 2014)…

Wir (Was macht die Kunst?) durchkreuzen diesen Fluss in der Städtischen Galerie Bremen. Hier werden zurzeit in Kooperation mit dem Filmbüro Bremen die jurierten Arbeiten des Videokunst Förderpreises #22 gezeigt. Zusätzlich zu den beiden neu entstandenen Werken werden weitere Videoarbeiten der Künstler ausgestellt. Ingmar Lähnemann, der Kurator, begleitet uns ein Stück durch die Ausstellungsräume. Im Gespräch über die Arbeiten diskutieren wir über Möglichkeiten der Kritik in der Kunst. Mit welchen Mitteln kann/darf/soll sie Dinge sichtbar machen? Welche ästhetische Kraft hat Widerstand? Was passiert, wenn Kunst selbst zum Protest wird?
3 Panoramablick in die Ausstellung
Mit Ingmar Lähnemann bekommen wir auch einen Einblick hinter die Kulissen und werden so auf Herausforderungen im Ausstellungsaufbau aufmerksam. Die architektonische Besonderheit der Städtischen Galerie, einer ehemaligen Bierbrauerei, verlangt besonders beim Präsentieren von Videokunst viel Erfindungsgeist, nicht nur auf visueller sondern auch auf akustischer Ebene. Weiterlesen