Why not? Kreativität in der Krise


Im Seminar Solidarität – Freundschaft – Kunst: Was hält Gesellschaft in der Krise zusammen?
diskutieren wir, inwieweit Kultur tatsächlich Brücken der Verbundenheit und des Verstehens baut und in welchem Rahmen sie Einheit in Vielfalt auch und gerade in Krisenzeiten ermöglichen kann/muss/soll.

In der Weserburg wird aktuell die Ausstellung Elina Brotherus. Why not? gezeigt. https://weserburg.de/ausstellung/elina-brotherus/
Bei unserem Museumsbesuch beschäftigen wir uns vor allem mit den Event Scores (Handlungsanweisungen für Performances und Partituren) der finnischen Fotografin und Videokünstlerin.
Seit 2016 setzt sich Elina Brotherus mit der Idee des Event Scores auseinander, die von den Fluxus-Künstler*innen der 1960er Jahre beeinflusst wurde. Werke beispielsweise von George Brecht oder Yoko Ono, aber auch die für den Fluxus so prägende Musikästhetik John Cages dienen ihr anfangs als Inspirationsquelle. Elina Brotherus Interesse an der Idee der Handlungsanweisungen gründet zum einen auf den Aspekt des „Teilens“ und zum anderen auf das Happening-Denken „Kunst als performative Praxis“: Jeder, überall, kann jederzeit die Anweisung nach seinen kreativen Möglichkeiten durchführen. Kunstproduktion kann aus nichts Aufwendigem stattfinden. Die Begriffe „Originalität“ und „Künstlergenie“ werden durch „Demokratisierung/ Teilhabe“ und „Einfachheit“ ersetzt. Die Serien Menaningless Work (2016-…), Règle du jeu (2016-2017) und „The Baldessari Assignments” (2016-…) basieren auf Event Scores.
https://www.elinabrotherus.com/photography

Wir nehmen das Werk „John Cage’s Words out of Joseph Beuys‘ Hat“ (2017) nach einer Idee von Tristan Tzara (1920) zum Anlass, auch einen eigenen Event Score zu erfinden.  
Zerschnitten, fragmentiert wurden beispielsweise Zeitungsartikel über Corona-Impfstoff, ein Goethe Band, ein Lexikoneintrag, …
Lockdown hin oder her – kein Grund unkreativ in Winterstarre zu verharren.

„Historische Ausstellungen“ mit Dr. Sonja Kinzler

Als Lehrbeauftragte biete ich nicht jedes Semester eine Veranstaltung an, so dass ich im Sommersemester keine Erfahrungen mit Onlinelehre sammeln konnte. Immerhin habe ich im Laufe der letzten Monate Konferenzen und Vorträge online besucht und eine Online-Fortbildung zum Thema Online-Veranstaltungen besucht. Wie die Veranstaltung zur Ausstellungsanalyse im Rahmen von culture4all klappen würde – da war ich dann aber d0ch etwas unsicher.

Inzwischen kann ich sagen – auch nach richtig gutem Feedback aus der Gruppe: Das geht. Vor allem auch, weil die Studierenden sich in Zoom wunderbar auskannten und schon etwas Übung im Online-Lernen hatte. Ich hatte mir zudem fest vorgenommen, den Studierenden das Gefühl zu vermitteln, dass das, was wir machen, keine Notlösung, sondern in der Form absolut sinnvoll ist. Und sie aus dem Haus zu schicken. Und tatsächlich gab es eine Ausstellung, die im betreffenden Zeitraum nach Voranmeldung zugänglich war, und die alle (alleine oder zu zweit) besuchen konnten. Wir konnten also richtig gut arbeiten. Im Januar und Februar stehen nun noch schriftliche Arbeiten auf der Agenda. Und ich freue mich schon mal vorsichtig darauf, mich mit jeder Studentin und jedem Studenten dann zur Besprechung des jeweiligen Textes doch noch einmal persönlich zu treffen. Und wenn das im Frühjahr nicht möglich sein wird, wissen wir ja jetzt: Es geht auch so!

Das Semester ist gestartet

und damit auch erneut der Modulverbund: Culture4all!

Angeboten werden in diesem Semester verschiedene Hybrid-Veranstaltungen:
Kunst in der Krise? Virtuelle Ausstellungsbesuche
Gezeichnet
Kunst kann: Literarische Reflexion zu aktuellen Kunstausstellungen
Historische Ausstellungen inszeniert
theater.szene.bremen
performance studies: Kopfsprünge
performance studies: Regiesprachen

Wir freuen uns sehr, dass die Seminare so gut angenommen werden und die Studierenden nun virtuell die Kultureinrichtungen Bremens besuchen können.

In diesem Sinne: Culture4all – Kunst kann auch virtuell!

Seminarsitzung in der Agentur im Atelierhof

Unter der Frage „Was wollen die, und wie machen die das?“ hat das Seminar von Dr. Sonja Kinzler, das unter dem Thema Geschichte & Museum lief, zwei historische Ausstellungen in Bremen näher untersucht: die Dauerausstellung im Krankenhaus-Museum und „Julius Bamberger. Spuren eines wechselvollen Lebens“ im Bamberger-Haus – einst Kaufhaus, jetzt Volkshochschule.

Die Abschlusssitzung fand im Büro der Dozentin mit Kaffee, Tee und Keksen statt. Es wurden die Seminartexte und Exkursionen noch einmal Revue passiert: Was waren die selbstgesteckten Ziele der Ausstellungsmacher_innen, (wie) haben sie sie erreicht und wo und warum möglicherweise nicht? Die Studierenden waren sich einig, dass insbesondere Multiperspektivität und Kontroversität in der Darstellung entscheidend zum Erfolg beitragen können. Einige der Teilnehmer_innen werden in Zukunft wohl anders durch Ausstellungen gehen: kritikfähiger. Weiterlesen

Orgelführung für alle

Zum Ende des Wintersemesters waren wieder Teilnehmer*innen aus allen Seminaren unter dem Modulverbund „Culture4all“ zur Orgelführung in den St.-Petri Dom in Bremen eingeladen. Domorganist Stephan Leuthold erklärte spannend und kurzweilig den Aufbau der berühmten Sauer-Orgel im Dom. Musikbeispiele zeigten die Vielfältigkeit des viermanualigen Instruments mit 101 Registern.

Die Orgelführung wurde vom Seminar „Philharmonic4all“ unter der Leitung von Dr. Ulrich Matyl organisiert. In diesem Seminar erhalten Studierende der Uni Bremen eine Einführung in das Hören von Kunstmusik mit Besuchen philharmonischer Orchester- und Kammerkonzerte. Weiterlesen

Dem Schönen auf der Spur

Im Seminar „Schönheit im Banalen. Die Kunst des Möglichen“ sind wir in der Weserburg unterwegs. In der Ausstellung So wie wir sind 1.0 befragen wir die Kunstwerke. Was denken sie über das Schöne? Welche Erfahrungen haben sie damit gemacht und was bedeutet Schönheit für sie? Was sie uns berichtet haben, könnt Ihr hier im (fiktiven) Interview nachlesen:

Interview mit Herrn Teddy

Von Silke Trautmann und Johanna Fischer

Interviewerin: „Guten Tag Herr Teddy, was verbinden Sie mit Schönheit im Allgemeinen?“

Herr Teddy: „Schönheit ist für mich etwas Schmerzvolles. Ich bin ein Sammelwerk aus den verschiedensten Bestandteilen aller Tiere, ich sollte also wunderschön sein.“

I.: „Finden Sie sich selber schön?“

T.: „Nein, auf keinen Fall. Ich fühle mich zusammengewürfelt, es passt einfach nichts zusammen. Das macht mich traurig, dass egal was ich tue, es einfach nicht ausreicht.“

I.: „Welchen Preis hat Schönheit für Sie?“ Weiterlesen

Culture4all zum zehnten Mal!

Seit nunmehr zehn Jahren können die Studierenden der Uni Bremen aus einem umfangreichen Modulverbund mit Namen „Culture4all“ ganz besondere Seminare auswählen, die allesamt sich mit Kunst & Kultur vor allem vor Ort beschäftigen. Im Herbstsemester werden ihnen im GS-Bereich Seminare angeboten, die sich mit bildender und angewandter Kunst beschäftigen. Erwünscht sind hier vor allem Studierende aus nicht artverwandten Bereichen. Belegen sie eines der Seminare, können sie bis zu 4 ECTS erhalten.
Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit den jeweiligen Gegenstandsbereichen steht in den Veranstaltungen auch der Besuch kultureller Institutionen Bremens im Bereich von Kunst- und historischen Museen/Ausstellungen und des Theaters (Schauspiel, Tanz, Performances) im Zentrum des Studienangebotes.

Thematisch wird im Wintersemester 2019/20 der Fokus auf den Schwerpunkt „Ideale in Kunst und Kultur: gestern-heute-morgen?“ gelegt werden. Nach „Macht und Widerspruch“, „Prestige und Image im Kunstbereich“ der vergangenen Semester wird die weiterführende inhaltliche Ausrichtung hin zu Ideal und Idealisierung in Kunst und Kultur spannende Veranstaltungen ermöglichen. Die Seminare werden den Schwerpunkt vielfältig beleuchten.

Angemeldet werden kann sich zu den einzelnen Seminaren wie immer über Stud.IP.

Welche Lehrveranstaltungen gibt es?
Hier ist eine Übersicht

 

collage-c4all

Gezeichnet!

Im Seminar „Gezeichnet – Künstlerisch praktische Arbeit im Atelier und in Auseinandersetzung mit Originalen“ widmen sich die Studierenden dem Handwerk des Zeichnens und probieren die verschiedenen Stile und Möglichkeiten aus. Dina Koper vermittelt die Grundlagen des Sehens und des Zeichnens und erzählt über Hintergründiges und Historisches: Wer durfte zeichnen und wie entwickelte sich die Theorie? Was ist heute interessant und warum?  Weiterlesen

Ausstellung mal anders!

Im Seminar „Spielwiese Kunstbetrieb? Einblicke hinter die weißen Wände“ haben wir in den unterschiedlichen Kultureinrichtungen verschiedene Abteilungen kennengelernt (Weserburg: Gegenwartskunst und konservatorische Fragestellungen; Kunsthalle Bremen: Strategien der Kunstvermittlung; Kulturkirche St. Stephani: Zusammenspiel Raum – Werk – Betrachter; Städtische Galerie und Galerie Mitte: Der kuratorische Blick, u.v.m.). Die Gespräche vor Ort mit einer Restauratorin, mit Kunstvermittlerinnen, mit KuratorInnen und KünstlerInnen drehten sich immer wieder um die Fragen: Was darf Kunst? Was kann Kunst bewirken? Wie weit darf Kunst gehen? Wie respektvoll oder wenig respektvoll gehen wir selbst mit Kunst um?
Um die gesammelten Informationen aus den Experten-Gesprächen noch einmal zu vertiefen und zu reflektieren, führte uns unser Seminarthema nach Hamburg ins Haus für aktuelle Kunst. In der Ausstellung FLORIAN SLOTAWA: STUTTGART SICHTEN geht es neben der Frage, was Skulptur heute alles sein kann, auch um das Bewusstmachen der musealen Aufgabe des Ausstellens. Von der These ausgehend, „Kunst als Mobilie“ zu verstehen, begeben wir uns auf ein Terrain, dass wir mit unserer Wahrnehmung, mit unseren Gedanken und Ideen, Beobachtungen und Zweifeln mitgestalten können. Was bedeutend und was nebensächlich ist, trägt nicht länger den Stempel des dauerhaften, sondern definiert sich temporär auf dem Spielbrett Ausstellungsdisplay – und muss damit immer wieder neu verhandelt werden.  

Urlaub am Meer

Welche Texte entstehen im Seminar „Kreatives Schreiben“?
Hier eine Geschichte von Moritz Dreyer zum Kunstwerk von Annemarie Strümpfler in der Städtischen Galerie in Bremen:

Land

Urlaub am Meer

Noch fünf, vier, drei, zwei Sekunden. Endlich! Feierabend! Bernd klappte das Notebook zu, dass er vorsorglich schon vor zehn Minuten begonnen hatte herunterzufahren und verstautes es in seiner Aktentasche. Er schloss den Reißverschluss seiner Jacke und verließ das Büro in Richtung Tiefgarage, wo sein mitternachtsblauer Mercedes-Benz GLE 63 Coupé bereits auf ihn wartete. Mit einem tiefen grollen rauschte es aus der Tiefgarage. Wenig später bog Bernd auf die Stadtautobahn ein, beschleunigte in unter vier Sekunden auf 150 km/h und in weiteren vier Sekunden auf Tempo 250. „Radio ein! Oh Gott, Helene Fischer!“ Schnell wechselte er zum IPod. „Was möchtest du hören Bernd?“, säuselte eine Frauenstimme aus den allgegenwärtigen Lautsprechern. „Irgendwas Indiemäßiges. Nur nicht diesen Schlagermainstream.“ Das Soundsystem folgte. Bernd folgte dem Navi und erreichte zwanzig Minuten später zu Klängen von Klangstof sein Eigenheim, wo seine Frau Claudia mit den beiden Söhnen Jann und Philipp bereits ungeduldig wartete. Claudias roter Porsche Cayenne stand bereits mit laufendem Motor im Carport. Sie hatte ihn gar nicht erst ausgemacht, nachdem sie Jann und Philipp vom Gymnasium abgeholt hatte. Das war vor einer halben Stunde gewesen. Bernd parkte und tauschte den Fahrersitz des GLE gegen den des Cayenne. „Da bist du ja endlich.“ Kuss. „Ging das nicht eher?“ „Sorry Schatz, man hat mich nicht eher raus gelassen. Na Jungs, alles klar da hinten?“ Keine Reaktion, dafür gedämpfte Töne, die unter massiven Beats-Kopfhörern hervordrangen. „Sie haben Kopfhörer auf Schatz, fährst du? Der Flug geht um 17 Uhr.“ Weiterlesen